25.01.2011

Das Otaku Paradox

Viele Hobbies sind zu einem gewissen Grad auch Realitätsflucht. Wer sich mit Filmen, Büchern oder Computerspielen beschäftigt tut dies auch, um den Alltag für eine Weile hinter sich zu lassen. Daran ist, solang man es nicht übertreibt, nichts Schlimmes, denn es trägt ja schliesslich auch zur Entspannung bei und hilft Stress abzubauen. Mit Anime und Manga verhält sich das im Grunde nicht anders.

Dann gibt es da diese Art von Person, vor allem junge Leute, die meinen nicht in die Gesellschaft zu passen, oder es tatsächlich nicht tun. Ein schlechtes Verhältnis zu den Klassenkameraden oder Arbeitskollegen, "die anderen" sind alle dumme Schafe, die sich keine eigene Meinung bilden können. Oft hängt das mit Unsicherheit zusammen, und einer Unfähigkeit mit Menschen umzugehn. Für solche Leute ist der Alltag meist voller Anspannung, und die Realitätsflucht liegt da natürlich nahe.
Wenn man sich mal eine Weile in Anime Foren aufgehalten hat, oder an anderen Orten im Internet, an denen sich Otakus tummeln, dann wird man wahrscheinlich auch des öfteren auf diese Sorte von Mensch gestoßen sein. Oft bezeichnen sie sich auch selbst als "krank" oder verrückt (was sie natürlich nur im Internet tun, nicht in echt)... solches Zeug eben.
Das lustige (oder besorgniserregende, je nachdem) ist dann, wenn solche Leute auf der anderen Seite auch gleichzeitig Japanophile sind, "Weaboos", oder wie man es auch nennen mag. Sozusagen die Evolution des Otaku.

Ich will mich nun nicht verlieren in einer Debatte darum, ab wann jemand so ein Otaku ist, wer nun als Weaboo gilt und ob das angesprochene Klischee auf den Großteil alles Otakus zutrifft oder nicht. Vielleicht wäre "Das Weaboo Paradox" eine bessere Überschrift gewesen, aber 1. will ich mich nicht nur auf die Hardcore Weaboos beschränken und 2. mag ich das Wort sowieso nicht.
Ich denke, jeder der sich eine Weile mit den Themen Anime, Manga oder Japan und ähnlichen Dingen beschäftigt hat, kennt die Art von Person, von der ich hier reden will.

Lange Zeit habe ich mich gefragt, wieso es solche Leute überhaupt gibt, die meinen in Japan wäre alles besser und cooler und viel viel toller. Leute, die ihre Freundinnen mit -chan betiteln, krampfhaft versuchen alles mit Stäbchen zu essen und sich (in Extremfällen) extra Futons kaufen um "japanisch schlafen" zu können (kein Witz, das habe ich mal in einem Forum gelesen!).
Ich denke, es hat mit der oben angesprochenen Realitätsflucht zu tun. Zuerst sind da die Anime, die fiktive Welten und Geschichten bieten in die man sich flüchten kann. Aber durch die starke Verkoppelung von Anime (und den "umliegenden" Themen wie Jpop etc.) mit dem Thema Japan scheinen viele, bewusst oder unbewusst, den Eindruck zu bekommen die fiktiven Welten in die sie ausweichen seien garnicht so fiktiv, sondern existierten genau so in Japan. Aus Eskapismus wird dann Fernweh, und nicht selten liest man von solchen Leuten, dass sie unbedingt gern mal nach Japan wollten. Dann suchen sie sich japanische Email-Freunde, fangen an japanisch zu lernen, ernähren sich hauptsächlich durch Zeug aus dem Asia-Shop, usw.

Und, nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde es prinzipiell klasse, wenn Leute die oben genannten Dinge tun. Immerhin sind es alles Sachen mit denen sie ihren Horizont erweitern. Die Frage ist nur, ob dahinter ein gesundes Interesse an einem anderen Land und einer anderen Kultur steht, oder ob das ganze eigentlich Auswüchse der Flucht aus der eigenen Gesellschaft sind.
Hier liegt wie ich finde das paradoxe an dem Verhalten: Die Leute zieht es hin zu einer Gesellschaft, in der nicht integrierte Menschen noch viel weniger geduldet werden als in Deutschland.


Intoleranz kann man schlecht messen. Vielleicht gibt es ja in der Soziologie Verfahren dafür, und irgendwelche Studien die solche Dinge belegen können, aber bis auf weiteres bin ich in Sachen Argumentation auf meine eigenen Erfahrungen beschränkt, und auf die Dinge die ich gehört oder gelesen habe.
Allgemein wird viel übertrieben, wenn es um die angebliche absolute Homogenität geht, die in Japan herrschen soll, nicht zuletzt sicher auch weil Japaner dieses Bild manchmal selbst verbreiten. Aber das japanische Sprichwort "deru kui wa utareru" haben viele sicher schonmal gehört: Ein herausstehender Nagel wird reingeschlagen.
In Schulen kann dann schon die kleinste Kleinigkeit ausreichen um zum Opfer zu werden. Die Mutter einer Bekannten hatte zum Beispiel während ihrer Schulzeit (die der Bekannten, nicht ihrer Mutter) neu geheiratet, wodurch sich auch der Nachname der Tochter geändert hatte. Für die Klassenkameraden natürlich ein eindeutiges Zeichen, dass in der Familie was nicht stimmt, und das wird dann schon der Ansatzpunkt für's Mobbing, obwohl das Kind selbst dafür natürlich überhaupt nichts kann.

Man sollte sich ausserdem mal überlegen, dass trotz dem ganzen quietschbunten Rummel der in Shibuya und Harajuku usw. herrschen mag, die Leute an den Orten jenseits davon in der Regel sehr viel dezenter gekleidet sind als in Deutschland, wo man an jeder mittelgroßen Schule Punks, Hiphopper und dergleichen findet. Diejenigen die an den hippen Orten Tokyos in irgendwelchen Kostümen herumlaufen, sind höchstwahrscheinlich an anderen Tagen ganz normal gekleidet, so dass sie sich problemlos in's Gesamtbild einfügen können. Es herrscht ein ziemlicher Kontrast zwischen diesen Freizeitangelegenheiten und dem "richtigen Leben". In Deutschland scheinen mir diese Dinge stärker vermischt zu sein.
So verrückt manche Fernsehshows, Anime und andere Dinge die man aus den japanischen Medien kennt auch sein mögen - im Alltag geht meiner Meinung nach vieles eine Stufe moderater zu als in Deutschland. Um hier nicht herauszustechen ist es öfter mal nötig Kompromisse zu machen, sich anzupassen und zusammen zu reissen.

Vielleicht herrscht bei vielen Otakus, deren Kontakt zu Japan in erster Linie durch Manga, Anime, Spiele und andere Entertainment Bereiche besteht, an dieser Stelle das Missverständnis, Japan sei ein Paradies für schrille Vögel und sie selbst, als Leute die in die ach so biedere und trockene deutsche Gesellschaft nicht rein passen, würden darin mit offenen Armen aufgenommen.
Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass so viele Leute die eigentlich, was soziale Dinge angeht, relativ unbeholfen und unangepasst sind, sich mit so einem Eifer auf ein Land stürzen das an die Anpassungsfähigkeit eigentlich noch viel größere Anforderungen stellt als das Land in dem sie ohnehin schon nicht besonders gut mit ihrem Mitmenschen auskommen.


Vermutlich liest der Typ von Mensch den ich hiermit ansprechen will sowieso keine Blogs wie meines hier, also unter Umständen ist alles was ich schreibe eh vergebens. Wahrscheinlich würden sich die Leute von denen ich rede auch garnicht eingestehn, dass ihre Vertiefung in ihr Hobby genau so eine Realitätsflucht darstellt wie die des 18-Stunden-am-Tag-World-of-Warcraft-Zockers. Oder vielleicht sollte ich den Text auch einfach mal bei Animexx oder so in's Forum stellen, und schauen ob ich dann von Flames zerrissen werde... =)

Kommentare:

  1. Diverse Diskussion in diversen Foren, wie du es angesprochen hast, habe ich schon mehrfach miterlebt. Meistens waren es Kids zwischen 16-20, die gerade frisch damit begonnen haben, Japan wie einen Schwamm in sich aufzusaugen.

    Ich habe vor über zehn Jahren auch noch geglaubt, dass man sich dort an jeder Ecke den heiligen Gral aus dem Automaten ziehen kann. Abseits der schönen, bunten Welt von Akiba gibts aber auch jede Menge schwarze Löcher. Auf das Arbeitsleben hätte ich zum Beispiel auf Dauer keinen Bock.

    Wie es mit der Integration von Ausländern aussieht, weiß ich nicht. In meinen zwei Wochen dort wurde ich stets mit einem Lächeln empfangen, aber das hat ja oberflächlich gesehen nix zu heißen. Allerdings würde ich auch nicht so weit gehen und es auf die ganze Bevölkerung verallgemeinern. Kann man ja auch hier in Deutschland nicht.

    Oft ist sicher der Wunsch nach dem genauen Gegenteil gegeben von dem, was man selbst hat. Überall Anime, Stadtviertel voller Spiele, das überragende Essen usw. ist halt das, was die Weaboos wollen. Ob das auch der Fall wäre, wenn Japan ein Nachbarland sein würde?

    Aber naja, solche Menschengruppen werden wohl immer wieder nachwachsen. Mir gefällt Japan mit seinen Facetten und seiner Position als Mekka vieler Hobbys sehr gut (sonst wäre ich wohl nie bei diesem Blog gelandet ^^), aber es ist bestimmt nicht der Garten Eden auf dieser Welt.

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  2. Du glaubst ja gar nicht wie ich präventiv gestöhnt und mir an den Kopf gegriffen habe, als ich den Titel gelesen habe. Miew und ein Artikel der Otakus enthält? Das kann doch nur ein Rant sein. Aber nein, wir sind hier ja nicht auf Zakus Blog und du hast einen guten Artikel abgeliefert.

    Zum Inhalt selbst. ja man findet besonders im Internet viele die nicht realisieren, dass ein Land aus mehr als seiner Medienkultur besteht. Ich wurde schon durch Berichte aus Sachbüchern, englischen Dokus und noch besser Leuten die selbst mal in Japan waren, in meiner Euphorie etwas abgestumpft.

    Genau genommen sprechen Anime das Problem oftmals selbst an. Black Lagoon beginnt damit, dass der Hauptcharakter Rock (Rokurou) sein langweiliges und schlimmes Leben in Tokyo verflucht, aber keine Alternative sieht. Oder der Manga Japan GmbH der realitätsnahe Geschichten über arbeitende Menschen in Japan erzählt, mitsamt ihren Problemen. Es gibt weitere Beispiel, die auch in Deutschland veröffentlicht wurden, wie Tag X, aber recht wenig beachtet.

    Ansonsten habe ich ja eine plausible Ausrede für meine asiatischen Tätigkeiten wie Stäbchen oder asiatisches Essen. :3

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  3. asiatisches essen weils einfach schmeckt, aber des tut deutsches auch ^^
    ich glaub es würde einfach jeden mal reizen für ne gewisse zeit in nem "exotischen" land zu leben und was liegt einem anime fan da näher als es sich in japan vorzustellen?

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  4. Endlich mal Kritik am Otaku-ism, das sich in seiner Verbalität ernst nimmt.

    Es gibt auch andere Kritiker, aber darüber möchte ich mich hier nicht auslassen, sondern kommentiere bei passender Gelegenheit in Zaku Abumis Blog ^.^

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  5. Ich dachte ganz früher auch immer Japan is supercool, da will ich ma hin... Denke ich immernoch :D
    Aber das gilt genauso für einige andere Länder. Ich reise halt allgemein gerne und lerne Kulturen kennen. Daher bleibe ich häufig auch etwas länger als normale Touristen und integriere mich so gut wie möglich. Nich immer in Restaurants essen, sondern an der schäbigen Bude an der Straßenecke, wo alle hingehen. Ich laufe auch nich mit Flip-Flops, dicker Kamera und Badehose durch die Gegend. Da krieg ich immer zuviel, wenn ich so leute sehe. Man sollte dezent und gut gekleidet sein und sein Land auch durch das Verhalten so positiv wie möglich repräsentieren ohne es an die große Glocke hängen.
    Ich habe das schon so oft erlebt, wie unmöglich sich Touristen benehmen. Und umso unterschiedlicher die Kulturen umso mehr klaffen die raus aus der Menge und fallen (meist negativ) auf.
    Ich denke Japan fasziniert duch seine Facettenreichheit. Einerseits hochmoderne Technologie, aber direkt daneben uralte Traditionen. Aber ich denke, dass viele Anime-Freunde schon ziemlich genau das vorfinden, was sie erwarten. Naja vielleicht nicht ganz so extrem, aber es ist ja nicht alles frei erfunden, was man so hört.
    Gut, dass mich das nicht so interressiert haha. Ich werde eh ein drittel meiner Zeit dort mit Arbeit an meiner Dissertation verbringen. Trotzdem freu ich mich auf die 2 Monate.
    @Kiku
    Das Arbeitsleben is bestimmt eine Herausforderung. Weniger Fehlertoleranz als hier denke ich. Weiß nich wie es sich auf Dauer anfühlt, aber wenn ich Glück habe darf ich das mal 8 Monate lang testen. Dann kann ich dir mehr dazu sagen.

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  6. Muss was korrigieren:
    Es kriegen nur die Otakus dort das, was sie erwarten, wenn sie es überhaupt erst hinschaffen. Immer wenn ich Berichte von Leuten höre, die vor Ort waren, denke ich die Leute sind häufig ein wenig normaler drauf. Die Hardcore Fans, die Japan so hoch preisen, haben selbst nie persönliche Erfahrung. Vielleicht vergöttern sie es deshalb so.Man will immer das, was man nicht kriegen kann. Und wenn man was nicht haben kann, macht man es halt selbst. Und dann aber volles Rohr...
    Schonmal Fotos von Deutschen Anime-Cons gesehen? 99% der Cosplayer da sind sowas von ultra-hässlich finde ich..

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  7. "und sein Land auch durch das Verhalten so positiv wie möglich repräsentieren ohne es an die große Glocke hängen"

    Ja, das ist finde ich auch ein sehr wichtiger Punkt. Gerade an Orten wo nicht so viele Touristen hin kommen hinterlässt jeder einzelne einen viel stärkeren Eindruck, der sich dann auch fortpflanzen kann.
    Man denke nur mal an die berüchtigten "Ausländer verboten" Schildchen die hier und da für Furore sorgen. Denen geht meist auch irgendein unschönes Erlebnis mit Touristen voraus.

    "Ob das auch der Fall wäre, wenn Japan ein Nachbarland sein würde? "

    Sicher nicht. ^^ Es gibt ja auch keine "Franzophilen", oder zumindest sehr viel weniger.
    Na ja, dass exotische Länder auch aufregender sind ist ja schon verständlich. Japan ist zudem denke ich zugänglicher als andere östliche Länder, weil es auch sehr viel vertrautes hat, eine gute Beziehung zu Deutschland und wenig Kriminalität. Viele Sachen die allgemein als cool gelten (Ninja etc.) stammen auch aus Japan.
    Ich kann Japan-Fans also durchaus verstehn. Aber das ist ja zu der rosa Brille mancher Otakus noch ein ganz schöner Unterschied.

    Was mich am meisten irritiert ist eben, dass die Dinge die diese Leute an Deutschland kritisieren oftmals in Japan noch viel stärker sind.

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  8. Aber im Ausland bemerkt man sowas nicht. Im Ausland interressiert einen die Politik nicht, weil es einen nicht selbst betrifft. Und auch weil man weniger davon mitkriegt und darüber weiß. Was ich nicht weiß, macht mich nich heiß. So in der Art. Selig ist der, der unwissend ist. Stimmt absolut zu. Würden in den Nachrichten lieber mal nur die guten Sachen berichtet werden, wäre die ganze Bevölkerung glücklicher, obwohl sich eigentlich nichts geändert hat. Im Ausland passiert sowas meistens. Da einem die Gastgeber normalerweise auch nicht ihre Probleme auftischen, sondern sich eher von der besten Seite zeigen.
    In Deutschland habe ich früher aufgeschrien, wenn angekündigt wurde, dass an öffentlichen Plätzen jetzt Kameras sein sollen.
    Dabei wohne ich seit fast 2 Jahren hier in England, wo an wirklich jeder Ecke und in jedem Gebäude Kameras sind, aber es stört mich irgendwie gar nich.
    Da ich sehr selbstkritisch bin, ist mir das halt irgendwann aufgefallen und seit dem sehe ich so etwas immer etwas distanzierter. Haha im Prinzip isses mir halt in Deutschland jetzt auch egal. Eigentlich am Besten is immer im Ausland zu leben. Dann betreffen einen zwar doppelt die Gesetze, aber man interressiert sich für keine davon :D

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  9. Wirklich sehr interessantes Thema was du hier ansprichst. Ich denke es geht vielen Otakus so das sie gerne mal Essen aus dem Asia Shop kaufen oder mal nach Japan fliegen wollen. Daher habe ich mich auch ein wenig angesprochen gefühlt als ich das so gelesen habe.
    Allerdings hatte ich nie das Bedürfnis "japanisch zu Schlafen", das klingt einfach so göttlich :D .
    Aber für mich persönlich gibt es nichts besseres als hier in Bayern zu Essen,Schlafen und zu Arbeiten.

    Falls du das hier wirklich irgendwo rein stellst und du flames bekommst denk dran:
    Desto mehr Flames desto mehr Recht hast du xD

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  10. Interessantes Thema, welches du mit diesem Artikel behandelst. Auch schön geschrieben. Good job!

    Ich glaube auch, dass sich einige die japanische Kultur falsch vorstellen oder sich tatsächlich nur damit beschäftigen, um zu glauben näher an ihr dran zu sein.

    Natürlich ist es nicht schlecht, wenn einem Animes dazu anregen sich mit der japanischen Kultur zu beschäftigen. Habe ich selbst auch getan, vor allem weil ich wissen wollte wieso die Charaktere in den Animes so unterschiedlich angesprochen werden. Dabei habe ich halt gelernt, dass Respekt in Japan einen extrem hohen Stellenwert hat und das Verhalten in der Öffentlichkeit dort eine wichtige Rolle spielt. Eine wichtigere als im vermeintlich spießigen Deutschland.

    Ich glaube auch, dass man es in Japan als Ausländer nicht gerade einfach hat, da es vor allem viele Benimmregeln gibt, welche schwer einzuhalten sein dürften. Um so mehr Respekt habe ich vor den Leuten, die das Abenteuer wirklich wagen.

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  11. Hobbies mit Realitätsflucht gleichzusetzen find ich etwas zu hart formuliert. Das würd doch besser auf (extremen) Alkohol- bzw. Drogenkonsum zutreffen. Davon abgesehen, fand ich den Artikel superinteressant.

    Zum Thema "deru kui wa utareru":
    Ohne jetzt falsche Behauptungen aufstellen zu wollen, aber inwiefern gilt diese Einstellung gegenüber geistig/körperlich behinderten Mitmenschen?
    Hab da soetwas in Erinnerung, dass Behinderungen als "Makel" gedeutet werden und es die betroffenen Menschen gesellschaftliche doppelt schwer haben.

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  12. "Realitätsflucht" klingt evtl. wirklich sehr hart. Eskapismus hat da vielleicht eine etwas positivere Konnotation. Was ich damit meinte war einfach das Vergessen des Alltags im weitesten Sinne. So gesehn könnte man ein bisschen Tagträumen auch schon als Realitätsflucht bezeichnen, aber es ist natürlich Welten entfernt von übermäßigem Alkohol- oder Drogenkonsum.

    Was Behinderte angeht: Von einer Bekannten die in dem Bereich arbeitet habe ich gehört, dass einige geistig Behinderte von ihren Familien quasi verstoßen wurden. In welchem Alter das geschehn ist weiß ich nicht, die Leute von denen die Rede war, waren aber alle schon etwas älter. Weil sie allein das Leben nicht auf die Reihe kriegen werden sie betreut, aber von den Leuten die das machen höre ich auch nicht gerade, dass sie respektvoll mit den Behinderten umgehn. (Die Leute die dort arbeiten sind aber wie es scheint dort auch oft nur deswegen, weil sie keine andere Arbeit finden und darum keine Wahl haben. Eine schlechte Grundlage natürlich.)

    Habe auch schon öfter gehört, dass Leute in normalen Schulklassen auch behinderte Kinder mit drin hatten, was ich aus Deutschland so nicht kenne. Fragt sich nur ob das gezielt gemacht wird um die Behinderten zu integrieren, oder ob es einfach nötig ist weil spezialisierte Schulen fehlen. Da müsst ich vielleicht mal ein wenig nachforschen.

    Und körperlich behinderte, hmm... für blinde gibt es an sehr vielen Straßen "Führungslinien" die ein wenig herausgucken und an denen sie sich orientieren können. Vor Ampeln, Treppen usw. werden die dann zu kleinen Hubbeln um anzudeuten, dass da etwas ist. Ampeln selbst geben auch oft Tonsignale und an Bahnhöfen haben die Treppengeländer zu den Bahnsteigen auch Blindenschrift eingraviert.
    Andererseits hab ich schon viel Gemecker gehört, dass es mit Kinderwagen so umständlich sein soll in Tokyo, also für Leute im Rollstuhl wird's eventuell auch schwierig. Obwohl ich auch schon gesehn habe, wie z.B. für einen Rollstuhlfahrer an eine Rolltreppe ein extra Lift schnell dranmontiert wurde, um ihn hoch zu befördern, weil kein Lift da war.

    Ich denke mal, dass Behinderung als Makel gedeuted wird und die Menschen deswegen per se "weniger wert" sind oder so ist weniger der Fall, aber die Toleranz gegenüber Störungen oder Dingen die anderen zur Last fallen ist eben oftmals sehr gering. Da ist sicherlich auch die Geduld die viele mit, vor allem geistig, Behinderten haben etwas eingeschränkt.

    Und ich weiß nicht ob es vielleicht ein bisschen zu viel interpretiert ist, aber: In Europa hat man ja einen christlichen Hintergrund, und egal wie religiös die Leute sind, zieht sich das ja durch die Gesellschaft. Wenn man überlegt, dass Jesus in einer Geschichte zu den Leprakranken geht usw.
    In Japan gibt's dagegen eher den Hintergrund von Karma, wo jeder für das Unglück, das ihm widerfährt aufgrund früherer Handlungen selbst verantwortlich ist.
    Egal ob die Leute an solche Sachen heute noch glauben oder nicht, beeinflusst es vielleicht doch noch die Grundeinstellung die in einer Gesellschaft herrscht.

    Übrigens, die Bekannte von der ich weiter oben sprach glaubt ziemlich stark an Karma, Wiedergeburt etc. und respektiert die Behinderten trotzdem. Wäre also gerade ein Gegenbeispiel gegen meine eigene These. Nunja. =P

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  13. Es gibt in Deutschland integrative Schulen, in denen die Klassen gemischt sind. Teilweise hat man auch noch so Leute dabei, die geistig Behindert sind. Aber halt nur, wenn es auch irgendwie möglich ist und der Unterricht dadurch nicht zu sehr beeinflusst wird.
    Wir hatten am Gymnasium einen Autisten. Der war absolut nicht sozialfähig und war immer mit einer Begleitung unterwegs, da er sonst wohl gar nicht zurecht gekommen wäre. Aber immerhin konnte er am Unterricht teilnehmen. Tortzdem ist sowas sehr selten glaube ich.

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  14. Die, die nicht meinen, dazu zu gehören, sind inwzwischen zu einer alles niederwalzenden Masse angewachsen, für die eigens Musik, Bücher, Filme, Blogs, Communites geschaffen wurden. Ebenso für deren Kritiker. Ein erster Schritt in diese Erkenntnis ist immer der, es an einer bestimmten Gruppe festzumachen.

    Mikkai

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