12.01.2011

Das Spiel des Jahres / Jahrzehnts

Ich bin spät dran. So spät, dass es sich eigentlich schon fast nicht mehr lohnt diesen Eintrag überhaupt noch zu schreiben. Die ganze Sache mit "Spiel des Jahres 2010" ist ja inzwischen schon gegessen und aus und vorbei, wen interessiert schon noch was letztes Jahr war?

Der etwas größere Spieleblog Polyneux hat gegen Ende letzten Jahres eine Umfrage an alle deutschen Spieleblogs gerichtet, die Spiele des Jahres zu wählen. Also die Lieblingsspiele der Leute, die ihr Hobby mit genug Eifer betreiben um darüber einen Blog zu schreiben, gleichzeitig aber doch nicht beruflich damit zu tun haben. Ich habe mich auch beteiligt, wenn ich auch nur per Email meine Lieblingsspiele eingereicht habe, den passenden Artikel dazu habe ich bis jetzt ständig verpeilt. Naja, hier ist der Artikel, und hier ist der Link zu den Ergebnissen bei Polyneux.

Die Wahl war nach Systemen getrennt, Gesamtsieger über alle Systeme hinweg war Mass Effect 2. Pfeh. Da muss ich wohl dieses Jahr noch mehr Anti-Bioware Hetze Aufklärung betreiben, sonst wird's nächstes Jahr am Ende noch Dragon Effect Age 2.
Meine Wahl fiel übrigens beim PC auf Starcraft 2, was in der Kategorie PC auch den Titel des meistgenannten Spiels abgestaubt hat. Keine sehr einfallsreiche Wahl, ich weiß, aber SC2 hat einfach seine Qualitäten. Obwohl es storymäßig am Ende doch ein bisschen fad daherkommt.
Beim zweiten Platz hatte ich mich für "Amnesia" entschieden, ein Spiel zu dem ich hier eigentlich auch mal etwas schreiben könnte... wenn ich mich endlich mal trauen würde weiter zu spielen. Das allein ist wohl schon ein riesiges, wenn auch seltsames Kompliment für das Spiel. Amnesia schafft es nämlich so gut, eine unbehagliche Atmosphäre aufzubauen, dass ich mich sicherer fühle es nicht zu spielen. Es baut nicht auf Schockeffekte wie Dead Space oder ähnliches, sondern setzt den Spieler unter Druck mit der stetig schwindenden "Sanity", relativ wenigen Lichtquellen und einer Laterne die sich nicht automatisch wieder auflädt, und Monstern die man nicht töten kann sondern vor denen man fliehen und sich verstecken muss.
Das Ding bei Dead Space ist nämlich: So sehr die Monster auch plärren und hässlich-sein mögen, man ist als Spieler bis an die Zähne bewaffnet und macht den Viechern im Sekundentakt den gar aus. Somit verlieren sie ihren Schrecken und was bleibt ist nur noch das Erschrecken bei einem plötzlich hervorspringenden Viech. Amnesia geht da eher in die gleiche Richtung wie Resident Evil mit den begrenzten Farbändern und Munition. Man hat Angst in eine Sackgasse zu geraten, weil man seine Ressourcen verbraucht hat und immernoch nicht weiß wie/wo es weiter geht. Für mich persönlich weitaus unangenehmer als nervige Dead Space Monster bei denen man nur denkt "Weg da, ich will der grünen Linie hinterher laufen!"
Aber OK, das ist hier kein Artikel über Amnesia, also weiter.

Für den NDS hatte ich auch noch 2 Spiele ausgewählt, zum einen Etrian Odyssey 3, zu dem ich irgendwie auch nochmal was schreiben muss, und zum andern Mega Man Zero Collection, dessen Review eins der ersten in diesem Blog war, letztes Jahr im Juni oder so.
Auf den ersten Platz gelangte natürlich keines der Spiele, sondern Professor Layton, was ja glaube ich auch nicht schlecht ist.


Soo, der Eintrag heißt aber auch "Spiele des Jahrzehnts".
Eigentlich ist ein Jahrzehnt ja nur 10 Jahre lang, also ginge das Vergangene entweder von 2001 bis 2010, oder ich bin ein ganzes Jahr zu spät dran für den Rückblick auf 2000-2009. Da 2000-2010 aber viel schöner aussieht, gibt's nun einen Rückblick auf das letzte Jahrelft. Und weil ich faul bin und mich zu dem Thema vor kurzem schonmal ausgiebig in einem Forum ausgelassen hatte, zitiere ich mich im folgenden einfach selbst (Übrigens mehr so aus analytischer Richtung, weniger "welches Spiel war für mich das Tollste"):

"Ich kann eigentlich nur sagen Deus Ex.
Zwar hat mir Half Life 2 auch gut gefallen und wirkt nun im Direktvergleich polierter als das hässliche Deus Ex mit Unreal 1 Grafik, aber in Sachen Spiel an sich steht Deus Ex eigentlich wirklich ganz alleine dar. Half Life 2 ist ein toller Shooter und abwechslunsreicher als der meiste Einheitsbrei der in den letzten Jahren so herausgekommen ist, aber im Endeffekt eben doch "nur" ein guter Shooter.
Deus Ex steht gameplaytechnisch quasi ohne Konkurrenz da, da es sonst kaum ein anderes Spiel gibt bei dem man derart viele Möglichkeiten hat an die Dinge heran zu gehen.

Deus Ex ist ganz zu Anfang des Jahrzehnts heraus gekommen und verkörpert meiner Meinung nach sehr gut das, was Computerspiele sein könnten. Das merkt man vor allem dann, wenn man sich mit jemand anders unterhält der das Spiel ebenfalls gespielt hat, und erkennt wie unterschiedlich man die Dinge angegangen ist, und dann oft auch denkt "Ah, ach so kann man das auch machen!?"
Bei Deus Ex ist die Ausführung sicher nicht perfekt, aber es hätte theoretisch der Grundstein sein können für eine Generation von intelligenten Spielen in denen der Spieler die Freiheit hat auszuwählen wie er sich mit einem Problem befassen will. Natürlich war Deus Ex auch nicht das erste Spiel das sowas gemacht hat. Allerdings: Die Kernelemente eines Rollenspiels in ein Spiel in der Egoperspektive so zu verpacken, dass es sich nicht nach aufgedrücktem Rollenspiel anfühlt sondern ganz natürlich, und das ganz ohne viele Werte und Zahlen und doch ohne das ganze zu arg zu versimpeln - sowas hat eigentlich nur Deus Ex geschafft.
Ok, Vampire Bloodlines dürfte auch in die Richtung gehen und wäre wenn ich's recht überlege ein würdiger Konkurrent.

Aaaandererseits: Das Spiel das wohl am ehesten für die tatsächliche Entwicklung in diesem Jahrzehnt steht dürfte Modern Warfare 1 sein. Wenn es da nicht noch irgendeinen anderen, früheren Militärshooter in dem Stil gibt den ich nicht kenne, dann steht denke ich MW1 am besten für die Hinwendung zu diesen gescripteten Schießbudenspielen die eigentlich genau das Gegenteil von Spielen wie Deus Ex sind. Zumindest war MW1 das erste Spiel dieser Art das ich gesehn habe, und das Konzept mit den ständigen Speicherpunkten, regenerierendem Leben und Gegnern die nur dastehn und nach 2 Schüssen tot sind, eingeführt hat. Also das was jetzt überall kopiert wird.

Noch ein bisschen zurückgedacht wäre Halo vielleicht auch ein Kandidat. Das Spiel hat Shooter auf Konsolen salonfähig gemacht und mit dem regenerierenden Schild auch diesen Regenerationsaspekt schon eingeführt. Somit steht Halo in vielerlei Hinsicht auch als Grundstein da für die ganzen Shooter die in letzter Zeit ja auch auf Konsolen beliebt geworden sind. (Mir persönlich hat Halo ehrlichgesagt nie gefallen, hab es aber auch nicht im Multiplayer Modus gespielt)

Nennenswert wäre wohl auch noch World of Warcraft, was eine Menge Nicht-Spieler zum ersten mal vor den PC gebracht und ausserdem das MMO Genre ziemlich groß gemacht hat. Auch ich habe wohl in WoW in diesem Jahrzehnt die meisten Stunden versenkt und fand es auch sehr spaßig. Zudem ist seit 2000 das Internet auf Privatebene ja erst so richtig in die Gänge gekommen... vor 10 Jahren hatten wir zuhause glaube ich noch überhaupt keinen Anschluss. Für die ganze Entwicklung im Bereich Onlinespiele ist WoW sicherlich auch ziemlich maßgeblich, und die Entwicklung des Internets in diesen Jahren ist schliesslich nicht nur spieletechnisch eine große Sache, sondern auch gesellschaftstechnisch. Auch wenn WoW sicher nicht das erste MMORPG war, sticht es doch durch die massige Spielerzahl und den Bekanntheitsgrad hervor, und wie es diese Idee von "virtueller Gesellschaft" verwirklicht und verbreitet hat.

Der Vollständigkeit halber müsste man dann wohl auch noch Farmville nennen.. ähem. Immerhin spielen es verdammt viele Leute, auch wenn das wieder eine ganz andere Schiene ist. Es repräsentiert ausserdem ziemlich gut dieses ganze Social Network Zeug in letzter Zeit.

Naja, das wären so meine Ideen für Spiele des Jahrzehnts aus entwicklungstechnischer Hinsicht."

Kommentare:

  1. Spiel des Jahres ist bei mir...puh, ja welches nun? Immer, wenn man das gefragt wird, gräbt man in seinem Kopf nach Antworten. Aktuell schwirrt mir Bayonetta im Kopf rum. Im Inneren recht bodenständig, aber dafür sehr gut gemacht. Und das ist mir lieber als die xte Innovation, die nicht funktionieren will.

    Als Spiel des Jahrzehnts nenne ich jetzt mal für mich persönlich Street Fighter III: 3rd Strike. Das Spiel hat mich 2005 in die Beat'em Up-Community getrieben, die mich bis heute fasziniert und einige sehr gute Menschen hat kennenlernen lassen. Daher gewähre ich dem Spiel diesen Titel. Wobei von einem anderen Blickwinkel durchaus andere Games die Auszeichnung verdient hätten. Darunter halt auch bspw. Deus Ex, das ich gemäß einer eigenen Tradition wieder im Winterurlaub durchgespielt habe.

    Klares, definierendes Spiel dieser Konsolengeneration ist Modern Warfare 2. Mitsamt all seinen Vor- und jede Menge Nachteilen.

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  2. Woher kommt jetzt eigtl. der Groll gegen Bioware? Ich wette du hast Dragon Age nach der Zwergenstadt nicht mehr angerührt oder? :)
    Mein Spiel des Jahres ist es auf jeden Fall. Eines der wenige die ich nicht nur zweimal durchgespielt habe, sondern auch noch direkt im Anschluß.
    Ansonsten sind mir dieses Jahr kaum andere Spiele in Erinnerung geblieben. Fallout NV war ganz schön und hatte durchaus seine Momente (Vault 11 z.B.).

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  3. Achja und Spiel des Jahrzehnts: Thief 3
    Kann ich nur jedem an's Herz legen.

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  4. Also WoW kann ich ma gar nich unterstützen... Das is für mich so das Unspiel des Jahrzehnts, da es eine unfassbare Geldmaschine ist und den Leuten ihre Seele raubt. Starcraft is besser, aber es in drei Teilen rauszubringen ist eigentlich auch nich nötig. Früher hat man noch viel Content gekriegt. Heute nur noch Häppchen. Blizzard weiß halt, wie man Sucht erzeugt und Leute ausnimmt. Alleine wegen Blizzards Politik können die Spiele bei mir nicht auf die Liste, egal wie toll sie sind.
    Mass Effect 2 finde ich durchaus gut, DragonAge eher weniger.
    Deus Ex war supergeil damals.
    Hm.. Game des Jahrzents war vielleicht Final Fantasy X, da das Ende zwar irgendwie erwartet aber dennoch wahnsinnig bewegend war.
    Und Spiel des Jahres..GT5, weil ich da am längsten drauf gewartet habe.

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  5. Der Groll gegen Bioware, hmm. Die Spiele sind ja an sich ok, aber extrem überbewertet. Darum hab ich immer so das Bedürfnis gegenzusteuern. =D Und der Hype, aber auch die Wichtigtuerei der Firma selbst geht mir auf die Nerven. Die Firma zieht inzwischen das gesamte Genre in den Schmutz und macht es zu pseudo-interaktiven Machinima Filmchen. :O
    Und ja, ich hab DA (bisher) nicht mehr angerührt. ^^;

    @Darux: Was du über WoW sagst stimmt so schon, aber es trifft eben quasi den Zeitgeist, mit den Online Möglichkeiten seit einigen Jahren.
    Die negativen Seiten des Spiels würden mich persönlich da garnicht so stören, wenn manche Dinge nicht beginnen würden in Singleplayer Spiele überzulaufen, wo sie eigentlich fehl am Platz sind.

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