14.10.2010

The Book of Eli

Eine Warnung vorweg: Dieser Artikel enthält Spoiler über den Film The Book of Eli und wer den Film unbedingt noch sehn möchte ohne das Ende bereits zu kennen, der sollte ab hier besser nicht weiter lesen. Andererseits: Wer jetzt weiter liest ist vielleicht nachher klüger und kann sich die 2 Stunden Plothole Geschichte mit Tiefgangsallüren sparen.

Also um die Geschichte einmal zusammenzufassen:  Nach der Apokalypse durch einen Atomkrieg, oder ähnliches, wandert ein Mann namens Eli durch die USA nach Westen, und trägt dabei ein Buch bei sich. Nein OK, er trägt die Bibel bei sich. Der Film scheint zwar Anfangs zu versuchen ein Geheimnis daraus machen, aber eigentlich ist es sehr schnell klar. Vor allem dann wenn Eli in ein nettes postapokalyptisches Städtchen kommt, das von einem Mann namens Carnegie beherrscht wird, der seine Schergen aussendet um alle möglichen Bücher aus den Überbleibseln menschlicher Zivilisation zu sammeln. Er sucht ein ganz bestimmtes, und drei mal dürft ihr raten welches das ist.
In der Welt dieses Films wurden alle Bibeln nach dem Krieg verbrannt, denn sie sind zu gefährlich, und vielleicht war sogar die Religion daran schuld, dass der Krieg stattgefunden hat. So lautet zumindest die Erklärung die uns der Film auf die Frage gibt, warum es praktisch keine Bibeln mehr auf der ganzen Welt, oder zumindest in Nordamerika gibt. Die Leute hatten nach der Katastrophe anscheind überhaupt nichts besseres zu tun, als Bibeln zu sammeln um sie zu verbrennen. Tatsächlich ist es zwar eher so, dass in Zeiten des Notstandes Religion floriert, da sie etwas verkörpert das den Leuten Hoffnung und Halt gibt, aber dieses einfache Grundregel menschlicher Psychologie lässt der Film geflissentlich ausser acht. Hier war es den Leuten stattdessen wichtiger, in den Trümmern ihrer Welt nach den letzten Bibeln zu suchen um diese auch noch zu verbrennen.
Wobei, Bibeln wären in dieser Welt ohnehin nicht besonders einflussreich, denn in Book of Eli hat doch tatsächlich seit der Apokalypse (die ca. 30 Jahre her ist) niemand mehr gelernt zu lesen! Leute die, wie Eli und Carnegie, vor dem Krieg geboren wurden und damals gelernt haben, können lesen. Alle anderen nicht. Da waren die Leute tatsächlich so beschäftigt damit, Bibeln zu verbrennen, dass sie vergessen haben ihren Kindern lesen und schreiben beizubringen. Eine bessere Erklärung kann der Film jedenfalls auch nicht liefern.

Ich vermute mal es soll eine Anspielung sein auf die Zeit bevor Martin Luther die Bibel in's Deutsche übersetzte, da diese zuvor nur in Latein verfügbar, und somit für das einfache Volk schwieriger zugänglich war. Das machte es dem Klerus sehr viel einfacher, die Leute nach Strich und Faden zu verarschen. Stichwort: Ablasshandel.
Ähnliches scheint auch Carnegie in Book of Eli vorzuhaben, denn er sucht eine Bibel zum Zwecke der unglaublichen Macht über die Leute, die sie ihm verleihen würde. Schliesslich kann man religiöse Ideen wunderbar dafür verwenden, um Leuten den Kopf zu verdrehen und sie für die eigenen Zwecke zu lenken. An der Idee mag etwas dran sein, wie man es aus der Geschichte lernt und auch in der Gegenwart feststellen kann. Andererseits kennt die Gesellschaft in Book of Eli überhaupt keine Religion, und erst recht kein Christentum, ist also keineswegs vorgeprägt. Für Carnegie ist die Bibel ein Begriff, für den größten Teil der Menschen wäre es allerdings etwas völlig neues. Da fragt man sich, warum Carnegie nicht einfach irgendein beliebiges Buch nimmt. Die Leute könnten es sowieso nicht lesen, also ob er nun eine Bibel hoch hält und behauptet es sei ein heiliges Buch, oder ob er dafür eine Ausgabe des Guinessbuchs der Weltrekorde benutzt, sollte für die meisten Menschen überhaupt keinen Unterschied machen. Trotzdem MUSS es eine Bibel sein,  weil... weil... der Film sonst nicht funktionieren würde, fertig aus.
Mal ganz abgesehn davon, dass Carnegie ohnehin schon die Wasserreserven der Stadt kontrolliert und damit quasi eine uneingeschränkte Machtposition innehat.

Eli hingegen schleppt seine Bibel stets in Richtung Westen, und zwar aufgrund einer, im wahrsten Sinne des Wortes, göttlichen Eingebung. Nach ein wenig Hickhack zwischen den beiden gelingt es Carnegie, Eli die Bibel abzuringen, welche allerdings zunächst noch mit einem kleinen Metallschloss verriegelt ist. Solche Schlösser wie man sie eigentlich nur an Tagebüchern vorfindet. Warum sollte es auch eine Bibel geben die man abschliessen kann? Aber für den Film muss es eben so sein, da steht der gesunde Menschenverstand hinten an.
Eli und seine Weggefährtin, mit der er sich im Laufe des Films angefreundet hat, machen sich also, etwas bedrückt über den Verlust der Bibel, weiter auf nach Westen, während der Bösewicht triumphierend zurückkehrt um sich dem Metallschlösschen zu widmen. Eigentlich hatte Eli stets den Schlüssel für seine Bibel dabei, also warum Carnegie nicht gleich auch nach diesem fragt ist ebenfalls ein Rätsel.
Nach Knacken des Schlosses entpuppt sich das Buch dann als eine in Blindenschrift geschriebene Bibel, welche für Carnegie wertlos ist, da er diese Schrift nicht lesen kann. (Eigentlich könnte jeder mit etwas Intelligenz und genug Zeit gesegnete Mensch die Bedeutung der einzelnen Buchstaben der Brailleschrift auch selbst herausfinden, anhand von Dingen wie der Häufigkeit bestimmter Buchstaben usw. Ein Buch mit sieben Siegeln wäre es also nicht. Aber so viel Logik darf man vom diesem Film einfach nicht erwarten.) Zudem hat Carnegie während seines Geplänkels mit Eli seine gesamte Söldnermannschaft verheizt und darum steigt ihm nun die restliche Bevölkerung auf's Dach. Da hätte ihm also auch die tollste Bibel nichts mehr geholfen.
Eli auf der anderen Seite, erreicht am Ende des Films San Francisco, genau genommen Alcatraz. Aus der ehemaligen Gefängnisinsel ist eine Festung geworden, deren Einwohner sich dem Erhalt menschlicher Kultur verschrieben haben, und Bücher sammeln. Dumm nur, dass Eli seine Bibel abhanden gekommen ist. Allerdings... nein! Er kennt die Bibel nämlich auswendig, und kann sie deswegen dem Leiter des neuen Alcatraz, Malcolm McDowell im Einstein Look, diktieren! Ganz richtig: Weil Eli 30 Jahre lang jeden Abend in der Bibel gelesen hat, kann er sie nun komplett auswendig und dank der Druckerpressen, die man auf Alcatraz ebenfalls hat, wird geschwind eine neue Bibel hergestellt.
Ganz am Ende stellt der Einstein-Malcolm McDowell dann die fertig gedruckte Bibel in ein Regal in dem auch schon Titel wie der Koran und die Torah vorhanden sind. Dabei enthält die Torah eigentlich die ersten fünf Bücher des alten Testaments, und somit auch die Erschaffung der Erde etc. was den Machern des Films offenbar nicht klar war, da Eli eben diese Dinge Augenblicke zuvor noch auswendig runterleiern musste während McDowell fleisig mitgeschrieben hat, offenbar völlig überflüssigerweise. Der Film stellt das als so atemberaubend dar, dabei steht das entsprechende Buch dort eigentlich schon im Regal. Witzig, einen Film über religiöse Themen machen wollen obwohl man selbst den ganzen Reli-Unterricht verpennt oder geschwänzt hat...

Ach ja, vielleicht fragt sich der Leser jetzt "Moment mal, wenn es eine Bibel in Blindenschrift war, wieso konnte Eli sie dann lesen?" Und die Antwort ist einfach: Weil er blind ist. Gegen Ende des Films zoomt die Kamera sogar extra auf seine Augen, die plötzlich in's leere Blicken und milchig grau sind. Da will man uns nun weiß machen, dass der Mann eigentlich den ganzen Film über blind war, und das wo er ständig mit den Augen Dinge und Personen fokussiert hat und sich keineswegs wie jemand verhalten hat der nichts sieht. Zugegeben, so ganz aus heiterem Himmel kommt die Sache mit der Blindheit nicht, denn im Laufe des Films taucht das Thema öfter auf. Zum einen ist Carnagies Geliebte (die Mutter von Elis späterer Weggefährtin) blind (kann aber die Bibel in Blindenschrift auch nicht mehr lesen, oder gibt dies zumindest vor) und zum anderen müssen Leute draussen immer eine Sonnenbrille tragen um sich vor den stärker gewordenen UV Strahlen zu schützen, da sie sonst ebenfalls erblinden. Zudem zeigt Eli immer wieder extrem gute Hör- und Geruchssinne, "übersieht" aber an einer Stelle ein gänzlich unübersehbares Warnschild. Seine restlichen Sinne sind dabei derart stark ausgeprägt, dass er mühelos 5-6 bewaffnete Männer in bester Zatoichi Manier im Nahkampf ausschaltet, ebensoviele Feinde gezielt mit der Pistole über längere Distanzen abknallen kann, und gar einen Vogel direkt aus dem Flug mit Pfeil und Bogen vom Himmel holt.
Nunja, der blinde Superkämpfer taucht in Filmen eben hin und wieder auf, und allein das würde mich auch nicht großartig stören. Allerdings zeichnen sich solche Charaktere normalerweise durch ihr Minenspiel als blind aus. Eli verhält sich allerdings den ganzen Film über extrem "unblind", und auch das Argument "Er fokussiert Dinge absichtlich mit den Augen obwohl er sie nicht sieht, damit niemand seine Blindheit bemerkt" gilt nicht, da er sich zum einen auch mit den Augen umschaut wenn er allein ist und zum anderen hätte er wohl bei seinen übermenschlichen Fähigkeiten die jede Sehschwäche tausendfach wieder wett machen auch garkeinen Grund dazu. Er hätte auch einfach die Sonnenbrille stets aufbehalten können, was im kaum aufgefallen wäre, da sowieso jeder im Film eine trägt wenn er unter freiem Himmel ist, und somit eine Sonnenbrille zu den unverdächtigsten Dingen der Welt gehören müsste.

Die ganze Geschichte ist einfach voller Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten, die jeglichen Reiz, den die Geschichte vielleicht haben könnte wäre sie sinnvoller aufgebaut, zerstören. Um so mehr stört dadurch dann diese pseudo Tiefsinnigkeit, also wollte uns der Film mit seiner löchrigen Geschichte auch noch etwas mitteilen. Gestopft werden die Löcher in der Story mit einigen Actionszenen, in der Regel solche in denen Eli so richtig auf den Putz haut und unantastbar wirkt. Ach ja, er steht nämlich unter Gottes Schutz, das kommt im Film auch noch so durch, darum verfehlen seine Gegner ständig und er trifft immer. Schliesslich muss es ja Gott gewesen sein, der ihm gesagt hat er soll nach Alcatraz gehn, anders hätte er es nicht wissen können. Oder es sind einfach riesige Zufälle, was mich nach abgeschlossenen Bibeln mit denen Leute die Herrschaft in einer Welt der Analphabeten an sich reissen wollen auch nicht mehr wundern würde.

Kommentare:

  1. Und wenn du jetzt Book of Eli nimmst, und die ganze Handlung substrahierst hast du auch gleich The Road.

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  2. Gut, dass ich den nicht gesehen hab. Da hab ich wohl nix verpasst.
    Hatte schon so ein Gefühl, dass das ne Gurke wird, als ich mich an meinen letzten Denzel Washington-Film ("Déjà Vu") erinnerte.
    Der Mann ist leider längst kein Garant mehr für gute Filme wie z.B. "Malcolm X", "Training Day" oder "Man on Fire".

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  3. Man darf nie zuviel von Filmen erwarten, denn dann wird man meistens enttäuscht. Ich fand den Film nicht schlecht. War zwar kein Epos, aber sonst ganz gut. Normal-gut. Hab auch nichts wirklich erwartet und letztendlich war der Film besser als ich gedacht hab. Ungereimtheiten beiseite, hat er mich immerhin unterhalten.
    Man sollte immer mit der Vermutung, dass ein Film schlecht sein könnte, den Film sehen. Dann wird man häufig positiv überrascht.
    Inception zum Beispiel.. Erst hab ich nicht viel erwartet. Dann hab ich den Trailer gesehen und viel erwartet. Dann durch den Hype und die Kritiken hab ich nochmehr erwartet. Dann hab ich gelesen, dass viele enttäuscht waren, da sie durch den Hype und die Kritiken zu viel erwartet haben und der Film dann doch nicht sooooooo gut war. Also hab ich eher wieder weniger erwartet. Und letztendlich kam es so, dass der Film exakt genauso war, wie ich erwartet habe, was mich wiederrum enttäuscht hat, da ich gehofft hatte, er würde meine Erwartungen übertreffen.
    Hätte ich mich vorher nicht über den Film informiert, wär ich wohl total begeistert gewesen.
    Und so war das mit Book of Eli.
    Wusste nix über den Film, bin davon ausgegangen er könnte total schlecht sein, wurde positiv überrascht^^

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  4. Ach, unterhaltsam war der Film im Grunde schon. Die einzelnen Szenen waren an und für sich nicht schlecht gemacht. Ich frage mich nur oft, wie die Leute es schaffen Millionen von Dollarn aufzubringen für diese Filme, so viel Mühe in die Kulissen, Kostüme usw. (die hier wirklich gut waren) stecken können, und es trotzdem nicht schaffen ein Drehbuch zustande zu bringen das nicht lauter Widersprüche und Ungereimtheiten hat.
    Im Endeffekt war das Buch ja nur Mittel zum Zweck, um die Handlung in Gang zu bringen. Ein Mac Guffin. Das hätte auch eine Energiequelle sein können, oder von mir aus auch ein Wasserchip. Dann hätte man den Film eben Fallout genannt, die Atmosphäre hätte zumindest gut gepasst. Jedenfalls kann mir niemand erzählen, dass es unbedingt eine Bibel sein musste, weil die Macher unbedingt eine Botschaft über Religion mitteilen wollten. Aber man hat wahrscheinlich auf den großen "Schock" am Ende gebaut, der alles nochmal in einem andern Licht erscheinen lässt, wie bei Sixth Sense oder so.

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  5. Manchmal frage ich mich wie solche Szenen überhaupt soviel kosten können..
    Unfassbar, was in Gagen gesteckt wird.
    Aber mit den Drehbüchern haste recht. Weiß nich mehr genau welcher Film, aber er hat auf einem Buch basiert und es kam ein Zimmer vor mit irgendeiner Zimmernummer halt. Und die war im Film anders als im Buch. Da aber alles Kulisse war, frage ich mich warum bewusst diese Nummer geändert wurde..
    Macht keinen Sinn.
    Aber wo du davon redest.. n Fallout Film wär mal was..

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