04.10.2010

Chakuwiki über Deutsche

Chakuwiki ist in etwa das japanische Pendant zu Seiten wie Stupipedia oder Encyclopedia Dramatica, also Parodien auf Wikipedia, mit nicht ganz ernst zu nehmenden, aber oft lustigen Inhalten. Bei Chakuwiki gibt es auch einen Artikel über Deutschland, der einige Klischees aufgreift, die man so zum Teil vielleicht, womöglich aber auch noch nicht gehört hat.

Neben den üblichen Dingen über deutsche Ordentlichkeit und Regulationswahn findet man zum Beispiel die Aussage, dass Deutsche angeblich beim Geschirrspülen die Tendenz dazu hätten, den Schaum nicht richtig mit Wasser abzuspülen. Oder, dass Leute sich gegenseitig wegen zu lauten Staubsaugergeräuschen an Feiertagen vor Gericht zerren würden. (Was man in Deutschland wohl eher den Amis nachsagt). In die Antarktis gehen um Polarlichter zu sehen, sei etwas das nur Deutsche und Japaner tun. Aha...

Punkt Nr. 20 besagt, in Deutschland sei es nun, dank dem Einfluss japanischer Anime, verbreitet Kindern Namen wie Sakura oder Tooru geben zu wollen. Und das obwohl die Deutschen Sakura dann "Sakuuura" aussprächen.
Namen wie Judas oder Adolf seien dagegen verboten, oder würden zumindest aus Bedachtsamkeit nicht mehr benutzt, was ja sogar der Wahrheit entspricht.

Mc Donalds, heißt es, würde "Macdo" abgekürzt, was ich so aus deutschem Munde ehrlichgesagt noch nie gehört habe. Irgendwie vermute ich eher, dass da ein Japaner den Schluss von "Macdoof" nicht ganz mitbekommen hat. In Japan heißt es übrigens einfach nur "Mac", bzw. "Makku", wie auch immer man es nun schreiben möchte. Obwohl in dem Artikel steht, dass man in der Kansai Region (also Osaka und so) auch "Macudo" sagt.

Wenn ein Deutscher Dinge zählt die in Reihen und Spalten angeordnet sind, dann zählt er nicht (wie ein Japaner) erst die Reihen und dann die Spalten und multipliziert anschliessend, sondern beginnt die Dinge einzeln zu zählen, nur um dann zu vergessen wo er war wenn er unterbrochen wird. Okaaay...

In Deutschland, wie in Japan, gäbe es viele Otaku, und 90% der Japanischlerner seien nur durch Anime und Manga motiviert. Alles in allem sei es eine Ansammlung ziemlich seltsamer, und wenn man ehrlich sei auch hässlicher Leute.  (Erschießt mich nicht, ich gebe nur wieder was da steht. =)
Goths und Leute mit Lolita Komplex seien auch sehr häufig  unter den Studenten, und obwohl es sich um diejenigen handele die japanisch studieren, seien es auch die Leute das Land am ehesten missverstehen.

Andererseits steht in dem Artikel aber auch viel über die Ähnlichkeit zwischen Deutschland und Japan. Immerhin sei eines das Land aus dem Ritter kommen, das andere das Land aus dem die Samurai stammen. =)

Allzu ernst nehmen sollte man auf die Aussagen dort natürlich nicht, aber zum Teil entsprechen sie schon dem Bild das Japaner manchmal von Deutschland haben. In der Regel sind das Dinge, die in Deutschland durchaus als positiv gelten, wie Gründlichkeit, rationales Denken oder die Tendenz sich an Regeln auch zu halten (ausser an's Tempolimit, wie Chakuwiki bestätigt).

Übrigens:
Nach dem Amoklauf in Winnenden vor einiger Zeit, sprach mich ein Japaner darauf an, der meinte er hätte im Fernsehen einen Bericht gesehn, laut dem  30% der Deutschen eine Schusswaffe im Haus hätten. Ich kenne keine Statistiken diesbezüglich, aber 30% scheint mir schon arg hoch, oder hat etwa jeder 3. eine Pistole im Haus?
Wahrscheinlich hat sich bei der ganzen Diskussion um diesen Vorfall kaum jemand Gedanken darüber gemacht, wie die Sache Deutschland aus der Perspektive anderer Länder aussehen lässt. Immerhin beschäftigen sich die meisten Japaner nicht mehr mit Deutschland, als die meisten Deutschen mit Japan, und dementsprechend ist die Unwissenheit groß und ein einzelner, merkwürdiger Bericht hinterlässt um so stärkere Eindrücke. Erst recht natürlich, wenn er mit frei erfundenen "Fakten" wie einer 30% Waffenbesitzquote gespickt ist.
So ähnlich wie Japan in Deutschland dann leicht mal als "voll durchgeknallt" dargestellt wird, ergibt sich in Japan eventuell ein ebenso realitätsfernes Bild von Deutschland.
Das nur mal so als kleiner Denkanstoß zum Sonntag. =)

Und gänzlich ohne Zusammenhang, aber dafür etwas erheiternder:
Heute mal wieder Austin Powers Goldmember gesehn, und bei manchen Szenen könnt ich mich jedes mal wieder wegwerfen. Wie zum Beispiel die Stelle, als Powers mit Mr. Roboto redet, und die Untertitel immer halb unlesbar werden so, dass irgendwas Schweinisches entsteht.

Kommentare:

  1. In Frankreich sagt man Macdo

    Von dem, was du sonst so schreibst kommt mir das meiste schon fast wahr vor. Ein wenig übertrieben und mit Vorurteilen gespickt, aber immerhin nicht ganz aus der Luft gegriffen.
    Und es hätte wirklich schlimmer ausfallen können.

    ..und du hast mir gerade voll Lust auf Austin Powers gemacht.. muss ich mir wohl mal wieder ansehen die Tage..

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  2. Wow, sind eine Menge Vorurteile dabei, die ich so noch nie vernommen habe. Das mit dem einzeln zählen stimmt aber. Nur ob dies eine typisch deutsche Eigenschaft ist, wage ich zu bezweifeln.

    Und besser als der Germany-Artikel als der von ED ist er allemal *hust*

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  3. also bei mir an der schule kürzen es alle mit "Mäggas" ab (franken halt :P)

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  4. Bei meinen jüngeren Verwandten hieß es tatsächlich immer "Mäcdó". Und der Witz über die hässlichen Deutschen ist nicht bloß in Japan verbreitet, es ist ein feststehender Begriff, der selbst in Deutschland gebraucht wird, wenn Ressentiments aufkommen, und in anderen europäischen Ländern ist dieses Bild auch ganz beliebt, mindestens aus de Schweiz war das vor ein paar Jahren so zu hören. Aber ich denke, da ist bei aller Verärgerung, in der das manchmal geäußert wird, auch ein Augenzwinkern dabei oder bezieht sich eben nicht in erster Linie auf vermeintlich typisch deutsche Äußerlichkeiten.

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  5. Österreicher haben natürlich ganz andere Vorurteile gegenüber ihren liebsten Nachbarn - die ich hier jetzt nicht breittreten will ;-). Eine Frage bleibt für mich aber ungeklärt: Welche Tempolimits missachten Deutsche denn? Dachte, es gibt in Deutschland gar keine, da gilt fahr, was die Karre hergibt :D.

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  6. Es gibt lediglich auf Teilen der Autobahn keine Begrenzung, bzw. nur Richtgeschwindigkeit. Es fährt aber eigtl. jeder 10-20kmh über den Tempolimits. Gerade in 30er Zonen oder Spielstraßen (Schrittgeschwindigkeit).

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  7. Omg, das mit dem schaum beim geschirrspülen stimmt wirklich. v.v
    ich bin ausländischer abstammung & das ist mir bisher bei 98% aller d-haushalte aufgefallen - finde ich ganz widerlich.
    deutsche art abzuwaschen:
    stöpsel ins becken. wasser + spüli rein. geschirr bisschen im wasser schwenken + dran rumwischen. geschirr raus. - was fehlt? schaum abwaschen. (dann denk ich mir immer: waschen sich diese personen beim duschen den schaum dann auch nicht vom körper? Oo)
    gott sei dank wird diese arbeit immer mehr von maschinen übernommen die das dann auch richtig machen.

    soviel dazu! xD

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  8. Das ist dann eher auf falsche Gewohnheit zurückzuführen, ich kenne jedenfalls genug Leute, die den Schaum ebenfalls abspülen. Vielleicht gehöre ich und meine Leute ja auch nur zu den 2%? Wer weiss...

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  9. Also damals, als ich noch in Freiburg gewohnt habe, war "MacDo" ein feststehender Begriff, hier in München ist "Mäcki" eher geläufig.

    Die 30% Schusswaffen können sich auch auf Schreckschuß, bzw. Gaspistolen beziehen. Nimmt man die ganzen nachgemachten Spielzeugpistolen dazu die in deutschen Kinderzimmern liegen kommt man locker auf 30% :))

    Das mit dem Staubsauger kenn ich aus meiner Familie auch ganz gut, auch wenn es sich bei meinen Eltern um eine Kreissäge gehandelt hat.

    Was die japanisch-Schüler angeht, ich denke dass es voll zutrifft wenn man sagt, die sind über Manga/Anime dazu gekommen japanisch zu lernen. Für besagte 90% ist es wohl auch der erste Kontakt mit der japanischen Kultur.

    bisserl OT:
    Mich ärgert es jedesmal, wenn ich irgendwelche vermeintlich abgefahrenen Berichte aus/über Japan lese (bspw. das Ehepaar, das sich von einem Roboter hat trauen lassen, oder der Bananenautomat in Tokio, den ich für eine gute Idee halte) welche dann mit einem überheblichen "die spinnen, die Japaner" kommentiert werden. Dass die meisten dieser "Spinnereien" dem Otto-Normal-Japaner auch nur ein Kopfschütteln entlocken, darüber wird nicht nachgedacht.

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