16.07.2010

Dungeon Crawling in Dragon Age

Nochmal etwas zu Dragon Age Origins:
Ich habe das Spiel  so ca. 16 Stunden gespielt. Bei meinem derzeitigen Spielstand bin ich irgendwo in den Gängen um Orzammar, oder wie die Stadt heißt, die fast genauso aussieht wie Ironforge aus WoW. Ich kann mich nicht mehr dazu durch ringen weiter zu spielen, denn es ist einfach zu langweilig.
Denn nicht nur beim Design der Zwergenstadt hat man sich von WoW sehr stark inspirieren lassen, sondern anscheind auch beim Aufbau der Dungeons und des Kampfsystems. Das heißt: Raum um Raum gefüllt mit Gegnern über Gegner, die alle von mir weggeputzt werden wollen. In WoW nennt man sowas "Trashmobs" und keiner mag sie, weil sie einfach nur Füllmaterial sind um den Dungeon in die Länge zu ziehen. Und die Dungeons in Dragon Age bestehen zu gefühlten 80% aus solchem Füllmaterial.
Das sind Räume die nichts beinhalten ausser einer Kiste mit ein wenig Gold, und einer Gruppe Darkspawn die gleich nach Öffnen der Tür auf den Spieler zugerannt kommt und diesen in einen Kampf  verstrickt. Sozusagen das Pendant zu den Zufallskämpfen japanischer RPGs.

Ein Kampf macht Spaß. Aber nahezu der gleiche Kampf ein dutzend Mal direkt hintereinander, der sich immer wieder mit der gleichen Taktik bewältigen lässt, ist langweilig.
In Baldur's Gate hat es Bioware geschafft, Dungeons einzubauen die sich in die in Handlung, die Quests und die Umgebung eingefügt haben. Hier hat sich kein endloses Tunnel- oder Gängesystem in alle vier Himmelsrichtungen erschreckt, nur damit darin Gegner platz finden können. Fast jeder Raum hatte einen Sinn, wie zum Beispiel einen Schlüsselgegenstand, die Begegnung mit einem NPC der irgendetwas anbietet oder verlangt, einem einzigartigen Gegner, oder eine Falle oder ein Rätsel. Die Dungeons waren  voll mit kleinen Details und Subquests, die jeden Raum einzigartig gemacht haben und dafür gesorgt haben, dass man überall etwas neues entdecken konnte. Und wenn es nur ein kleiner Dialog mit einer Gruppe von Gegnern ist, der Aufschluss gibt über die Gründe ihrer Anwesenheit - Es ist jedes Mal eine Auflockerung und man kann sich vor dem Öffnen jeder Tür fragen, was einen dahinter wohl erwartet.
Ganz anders in Dragon Age: Hier weiß man nach einiger Zeit was man im nächsten Raum findet: Noch eine Gruppe mit Gegnern. Vielleicht ist mal ein Bogenschütze dabei oder ein feindlicher Magier... zwar gibt es auch in DA hier und da ein paar Kleinigkeiten die das Spiel auflockern und die Monotonie aufbrechen, aber diese stehen in keinem Verhältnis zur Länge der Dungeons.

Es gibt ein ganzes Subgenre der RPGs, das sich Dungeon Crawler nennt. Die frühen Spiele wie Wizardry oder die ganzen Roguelikes sind alle Dungeon Crawler. Hier verbringt man den Großteil seiner Zeit damit, durch einen Dungeon zu laufen und Gegner nieder zu metzeln, nur auf der Suche nach Gold, Erfahrungspunken, Items, oder der Treppe zum nächsten Dungeonlevel. Besonders viele Quests, Dialoge oder ähnliches gibt es dort auch nicht.
Also vielleicht muss man Dragon Age ja in diesen Punkten mit anderen Dungeon Crawlern vergleichen? Zwar hat das Spiel auch immer wieder ausgedehnte Story Phasen, aber da man über lange Strecken auch mal nichts anderes macht als Dungeons zu säubern, könnte man es vielleicht so nennen.
Doch hier fehlen Dragon Age dann auch wieder genau die Elemente, die bei einem Dungeon Crawler für Spannung sorgen. Roguelikes zum Beispiel haben in der Regel eine Hunger Komponente, d.h. man muss vorausschauend Spielen, da man sonst schlichtweg verhungert. In Wizardry musste man Anfangs seine eigene Karte zeichnen, um sich im Dungeon nicht zu verlaufen. Vor zu starken Gegnern muss man fliehen, bis man stark genug ist sich ihnen zu stellen, Gold ist oft sehr knapp und muss zudem für Heiltränke usw. verwendet werden. Auch hier muss man also langfristig denken.
Nichts davon findet man in Dragon Age Origins. Hier scheinen sich die Monsterlevel automatisch den Leveln der eigenen Charaktere anzupassen, damit man nie auf Monster trifft die zu stark sind für die eigene Gruppe. Die Frage in welchen Dungeon man als nächstes gehn sollte stellt sich vom spielerischen Standpunkt her garnicht, denn das Spiel rollt für den Spieler überall den roten Teppich aus.
Da sich die Charaktere nach dem Kampf augenblicklich regenerieren ist auch kein langfristiges Ressourcenmanagement nötig.  Während in anderen Spielen die kleineren Gegnergruppen zumindest ein paar HP abziehen, die geheilt werden wollen, somit an den Ressourcen der Party zehren und dafür ein paar Goldstücke hinterlassen, spielt dies alles in Dragon Age keine Rolle mehr. Auch nach dem Tod stehen die Figuren wieder auf als wäre nichts gewesen und sind innerhalb weniger Sekunden wieder putzmunter. Die ganzen Spielmechaniken wurden so flach gehalten wie nur irgend möglich. Kein Wunder, dass man in den Dungeons aus dem Gähnen nicht mehr heraus kommt, wenn alle möglichen Spielelemente einfach entfernt wurden. "Streamlining" nennt man das bei Bioware ja wie es scheint.
Natürlich würden sich nicht alle Mechaniken, wie zum Beispiel Hunger oder Kartenzeichnen für Dragon Age eignen, aber man sollte nicht vergessen: Wenn ich die ersten Wizardry Teile und Roguelikes mit Dragon Age vergleiche, dann halte ich ein aktuelles Spiel von 2009 gegen ca. 30 Jahre alte Titel aus den frühen 80ern.
Dazwischen liegen massenhaft Spiele die zeigen wie man es schaffen kann einen Dungeon ansprechend und interessant zu machen, wie eben das oben erwähnte Baldur's Gate.

Eigentlich stellt sich für mich nur die Frage, wieso Dragon Age überhaupt so beliebt ist. Ich schätze mal es liegt an den ganzen Dialogen und Story Abschnitten, und den Gefährten etc. Wären diese nicht, sondern es ginge nur um die Dungeons, dann  hätte ich das Spiel vermutlich sowieso schon lange vergessen.

3 Kommentare:

  1. Hallo.
    Mir geht es genauso bei Dragon Age. Habe 2 Chars begonnen, jeweils ca. 14 Stunden Spielzeit investiert und ab dann wird es schwierig sich zu motivieren. Ich denke mal als ehemaliger WoW´ler ist man einfach zu sehr verwöhnt was RPG´s angeht.

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  2. Nunja, was meinst du mit verwöhnt? Ich denke WoW zieht seinen Reiz daraus, dass man die Dinge mit anderen zusammen angehn kann. Dann wird es auch nicht so schnell langweilig. Inhaltlich bieten die WoW Instanzen denke ich jetzt auch nicht soo viel Abwechslung. Bioware hat meiner Ansicht nach den Fehler gemacht diesen WoW Dungeon Stil in ein Singleplayer RPG zu übertragen, wo eigentlich die fehlenden Mitspieler durch ein bisschen mehr Abwechslung oder Herausforderung kompensiert werden sollten.

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  3. Die Instanzen sind in WoW relativ Abwechslungsreich (soweit ich das von meinem Elite-Zocker-Freund gehört hab). Die Gegner kriegt man nich einfach durch draufkloppen platt, sondern durch ewig langes Strategiekämpfen und teilweise ändern die dann auch ihr Verhalten und man muss irgendwelche Sonderziele erfüllen und so. Es gibt keinen (Boss-)Gegner, den man einfach so plätten kann. Und in der Gruppe solls wohl auch relativ viel Spaß machen. Jedoch durch die Monatlichen Kosten und den wahnsinns Aufwand, den man investieren muss (und auch durch die total schlechte Grafik) stand das Spiel nie auf meiner Interressenliste. Ich hab mich nur einmal breitschlagen lassen 10 Tage kostenlos zu testen. Nach 2 Tagen hab ich dann das erste Mal gespielt für ca 3 Stunden und war so gelangweilt, dass ich keine Lust mehr hatte. Ewiges rumlaufen, einzeln verstreute Gegner, die absolut keinen Spaß machen und einfach nur pure Ödnis. Besonders alleine auf niedrigen Leveln macht es nicht den geringsten Spaß. Und mich dann erst hochzuarbeiten wär mir viel zu blöd. Ich metzle lieber Gegnerhorden platt. Is sowieso mein Motto. Entweder gute Gegner, bei denen man n bissel Geschick braucht (nicht einfach nur Gegner mit unendlich HP) oder schwache Gegner, die in riesigen Scharen kommen, so dass auch mal etwas Action ins Spiel kommt.

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