05.11.2010

Indiefilm über japanische Arcadehallen

Letztens auf irgendeinem Newsblog entdeckt: http://www.indiegogo.com/100Yen
Bei "100 Yen - the Japanese Arcade Experience" handelt es sich um eine Reportage über japanische Arcadehallen, und was diese auszeichnet. Im dreiminütigen Trailer kann man bereits einige interessante Dinge sehn. Die Seite ist dazu gedacht, die nötigen Finanzmittel aufzubringen, also wer die Leute unterstützen möchte kann das dort tun. Der Film selbst scheint noch in der Mache zu sein.


Im Trailer nennt einer der dort interviewten Leute als Grund dafür, dass bis heute noch Arcadehallen in Japan existieren die Tatsache, dass die Leute weniger mit dem Auto unterwegs sind, sondern sich mehr mit dem Zug und zu Fuß bewegen, was es für die Arcadehallen einfacher macht in der Nähe von Bahnhöfen zu bestehen.
Das ist finde ich ein interessanter Gedanke. Verglichen mit Deutschland stehen öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere Züge, tatsächlich sehr viel mehr im Mittelpunkt, was die Gebiete rund um die Bahnhöfe natürlich für gewerbetreibende sehr interessant macht.
Dabei glaube ich aber, die Tatsache, dass solche Arcadehallen in Japan erhalten geblieben sind, hängt auch stark damit zusammen, dass sich Japaner ohnehin viel seltener im eigenen Zuhause treffen, sondern für gewöhnlich irgendwo draussen, also in einem Restaurant, im Karaoke oder an einem anderen mehr oder weniger öffentlichen Ort. Da passt ein Gamecenter für Viele natürlich wie die Faust auf's Auge. In anderen Ländern sind die Videospiele irgendwann vermutlich einfach in die Wohnzimmer gerückt, und da man sich, zumindest in Deutschland, dank der relativ großen Häuser, auch oft bei irgendwem in der Wohnung trifft, ist der Bedarf nach solchen Arcadehallen einfach nicht mehr da.

Wobei ich ja eigentlich sagen muss, dass meine gesamten Arcade Erfahrungen in Deutschland sich belaufen auf... *trommelwirbel* ... einen R-Type Automat.
Mehr als diesen einen Automaten habe ich in Deutschland nie zu Gesicht bekommen, auch in größeren Städten nicht. Vielleicht bin ich zu jung dafür, und solche Sachen waren bereits ausgestorben als ich im richtigen Alter war, vielleicht war ich auch einfach nur nie am richtigen Ort. Oder es ist tatsächlich so wie es mir vorkommt, und die Idee einer Arcadehalle ist in Deutschland einfach nicht existent. Deutsche "Spielhallen" zumindest, die sowieso nur ab 18 zugänglich sind, werden, soweit ich das sehe immer, nur mit irgendwelchen Glücks- und Kartenspielen gefüllt.

In Japan dagegen sind selbst "draussen" in Chiba, in der Nähe von größeren Bahnhöfen Gamecenter mit allen möglichen Automaten vorzufinden. Von den allgegenwärtigen Pachinko und Slot Machines rede ich dabei garnicht, solches Zeug wo man spielt um Geld zu gewinnen hat mich eh nie interessiert, sondern ich meine Prügel- oder Schießspiele. Inzwischen gehe ich garnicht mehr so oft an solche Orte, aber ich erinnere mich gern an früher, als wir mit der Familie hin und wieder eine Woche in Japan waren, und meine Geschwister und ich irgendwann das Phänomen Gamecenter für uns entdeckt haben. Ich mag garnicht wissen wieviel Yen wir insgesamt in solchen Automaten versenkt haben, nur um mal ein bisschen dilettantisch mit einer Plastikpistole auf den Bildschirm ballern zu dürfen. oder uns in irgendwelchen Prügelspielen die Köpfe einzuschlagen. Damals hat aber auch allein das zugucken an solchen Automaten schon Spaß gemacht, es waren schliesslich Sachen die man sonst nie sehn konnte und die grafisch weit über dem Lagen was zu der Zeit im eigenen Zuhause möglich war.
Heutzutage bleibt es meist bei ein - zwei Runden Mario Kart, ein paar Liedern bei "Taiko no Tatsujin" oder diesem Jungle Cruise Dingsbums, dessen Namen ich vergessen habe (ein geschlossener Automat für zwei Spieler, mit dicken Maschinengewehren die auf eine Halterung montiert sind).
Im Kern Tokyos sind die Hallen selbstverständlich größer, und da gibt es natürlich auch ausgefallenere Spiele. Wie zum Beispiel ein Half - Life 2 Deathmatch mit Pilotensessel und 2 Joysticks zum steuern. Dieser Automat verbindet sich per Internet mit anderen Geräten und man kann dann auch gegen Leute in anderen Gamecentern spielen.
Einige freudige Überraschung war es aber dennoch, als ich vorletztes Jahr mit einer Freundin in einem Onsen-Hotel in Shizuoka war, und wir dort im 3. Stock einen einsamen Metal Slug Automat vorfanden. Leider (oder zum Glück, für die Leute in den umliegenden Zimmern) ohne Ton, aber ein paar Runden zu spielen konnten wir uns trotzdem nicht nehmen lassen.

Kommentare:

  1. Die ersten Spielautomaten begegneten mir im jährlichen Italien-Urlaub am Strand, wenn die Verwandten besucht wurden. Ganz früher auch im Heimatdorf meines Vaters. Da kam ich dann mit jede Menge Zeug von SNk in Berührung. Deutschland allerdings...naja, im UCI Düsseldorf steht noch ein Sega Rally-Automat :D

    Jetzt im Sommer habe ich regelmäßig zwei Arcades besucht: Die A-Cho in Kyoto und die Gamespot Versus in Tokyo, Nishi-Nippori. Die meiste Zeit hab ich da Street Fighter III gespielt, aber auch mal anderes Zeig wie KoF 13 oder die Greifarmautomaten, die mir mein Geld abgenommen haben.

    Auf die Reportage bin ich mal gespannt. Auch, ob sie darauf eingehen, dass der Arcademarkt momentan in einer Krise steckt. Das wird im Trailer ja nicht erwähnt. Verständlich.

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  2. Das mit der Krise kann ich mir gut vorstellen. Immerhin gibt's jetzt ja kaum noch ein Spiel in den Arcades das es nicht auch als ziemlich gleichwertige Heimversion gibt. Nur noch die Sachen mit besonders ausgefallener Hardware stechen da heraus.
    Multiplayer ist von Zuhause aus inzwischen auch jederzeit möglich, sogar mit noch mehr unterschiedlichen Gegnern als in den Gamecentern. Also sind die Gründe extra in so ein Gamecenter zu gehn um zu spielen weniger geworden, besonders für die Fans die sowas auch mal den ganzen Tag lang machen.

    Ist nicht zum Beispiel beim neuen Tekken sogar auch in den Arcades ein Internet Multiplayer oder sowas dabei, damit man auch gegen Menschen spielen kann wenn gerade sonst niemand da ist?

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  3. Hm, das mit dem Internet in den Arcades wäre mir neu. Kann ich mir jetzt gar nicht so vorstellen. Gerade bei der enormen Popularität des Spiels sind eigentlich immer genügend Gegner da. Ich hab zumindest nie Stationen gesehen, die lange unbesetzt waren.

    Gründe für mich, in die Spielhalle zu gehen, wären die Competition und das Persönliche vor Ort. Online trifft man fast nur Scrubs, die einen gerne auch mal mit Hate-Mails zubomben. Vom Lag, der bei Kampfspielen tödlich ist, ganz zu schweigen.

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  4. ich denke das in deutschland noch nie jemand sowas wie eine Arcadehalle versucht hat.

    Als ich in Tokyo war waren die Arcadehallen immer voll vorallem die SFIII oder Tekken automaten. Ausserdem gibt die Arcade halle einen alternativen Treffpunkt für Jugendliche sowie möglichkeit neuen leute kennen zu lernen, zum andern es ist ein ganz anderes feeling Stepmania auf seiner 0850 Tanzmatte zu spielen und ein anderes auf einen ordentlichen dafür gemachte fläche um nochmal auf den socialen aspekt zu kommen lieber n jugendlicher in einer arcade halle als irgendwo unter einer brücke abzugammel und irgendein Mist zubauen...

    Wegen des geldes wieviele Deutsch geben Jährich Geld für irgendwelche Trainingshallen aus wo sie doch die meiste Zeit nur am Laufband oder Fahrad Trainieren da ist man doch mit Joggen oder Fahradfahren deutlich günstiger unterwegs. Oder viele geben Monatlich Geld aus für z.b Online spiele ich glaube es würde durchaus ne gute idee sein wenn jamand mutig genug währe dies auszuprobieren...es funktioniert ja auch in anderen ländern zu anderen es gibt auch viele jugendliche aus sozial schwächer fammilien kommen und sich sowas wie Ps3 oder Xbox nicht leisten können die würde doch ihren Lebensstandard auch aufpeppen oder nicht.

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